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Test aus Kanada zeigt: Grundeinkommen ist positiv für alle

In der niederländischen Stadt Utrecht beginnt im Januar 2016 ein Experiment mit einem bedingungslosen Grundeinkommen. Doch schon vor 41 Jahren startete die kanadische Provinzstadt Dauphin ein solch revolutionäres Sozialexperiment. Von 1974 bis 1979 zahlte die Kleinstadt den Armen ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Rund 1.000 Familien wurden finanziell unterstützt, allerdings nicht mit einem Fixbetrag. Das BGE orientierte sich am vorherigen Einkommen. Im Gegensatz zu unserem Hartz-IV-System, das jeden mit Kürzungen bestraft, der zu seinen Leistungen zusätzliches Geld verdient, wurden in Kanada lediglich 50 Cent für jeden verdienten Dollar BGE weniger gezahlt. Die Ergebnisse dieses fünfjährigen Feldversuchs blieben jahrzehntelang verschollen, rund 2.000 Kartons voller Akten verschwanden in einem staubigen Archiv. 2009 fand eine kanadische Professorin nach fünfjähriger Suche die Akten wieder und begann sie auszuwerten. Die Ergebnisse bisher: Der Arbeitsmarkt brach entgegen entsprechenden Befürchtungen nicht zusammen. Im Gegenteil. Einige steckten ihr Geld in Anschaffungen, die ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit erhöhten, andere verschönten schlicht ihr Leben und kurbelten somit den lokalen Einzelhandel an. Insgesamt sei zwar die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden gesunden, aber das betraf vor allem junge Menschen, die das Grundeinkommen für Studium oder Weiterbildung nutzten oder junge Mütter, die sich nun vermehrt um ihre Kinder kümmerten. Auch wenn die Auswertung der Daten aus Dauphin noch nicht abgeschlossen ist, so zeigt das damalige Experiment auch noch andere positive Effekte: Die Teilnehmer mussten seltener zum Arzt, besonders die psychischen Beschwerden und die Scheidungsraten gingen zurück. Außerdem entschieden sich mehr Teenager zum Besuch der 12. Klasse. Die Krankenhausaufenthalte sind in der fünfjährigen Testzeit um 8,5 Prozent zurückgegangen. Effekte, die den Befürwortern des BGE gute Argumente liefern. 
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